Archive for Februar 2010


Tanja Nolte-Berndel ist tot!

Februar 23rd, 2010 — 6:15pm

Die unermüdliche Verbrechensbekämpferin und Streiterin wider Urheberrechtsverletzungen jeglicher Art hat am 22.02.2010 zum letzten Mal ins Schwarze getroffen. Es wird vermutet, sie habe damit die drohende Gefahr intensiver Kontakte mit ehemaligen Brieffreunden und anderen Nutznießern ihrer beruflichen Tätigkeit abwenden wollen.

Comment » | tiefschwarz

Nachtigall, ick hör’ Dir …

Februar 23rd, 2010 — 6:06pm

Soso, der werte Westerwelle, die Hoffnung der (neo-)liberalen Sozialstaat-Abschaffer, läßt sich von der LGT Bank Schweiz AG für Vorträge bezahlen. Wäre ja nicht so schlimm, das Ganze – wenn, ja wenn besagte Bank nicht ein Tochterunternehmen der LGT Group aus Liechtenstein wäre, die 2008 in Zusammenhang mit Schwarzgeldkonten deutscher Steuerbetrüger gebracht wurde. Da könnte man fast versucht sein, die Hartz-IV-Attacken des mitregierenden Oppositionskaspers als gesteuertes (*lach*) Ablenkungsmanöver zu interpretieren. I wo, das kann aber doch garnicht sein, die Welt ist heile und der Mensch ist edel, hilfreich und gut – oder etwa nicht?!

Comment » | Politik & Polemik

Die Schweine!

Februar 16th, 2010 — 10:02pm

Religion soll ja einfache und klare Antworten auf letztgültige Fragen und Probleme gebe, wenn ich’s recht verstanden habe. Und damit das auch reibungslos funktioniert, hat so eine Religion ihre eigenen PR-Leute, die je nach Firma und Position im Unternehmen z. B. als Pater, Priester, Diakon, Dalai Lama, Prophet, Papst, Guru, Haßprediger oder Bischof bezeichnet werden. Je einfacher die Antworten, desto schöner – weil dann muß man nicht denken beim Zuhören und kann sich mit einem zufriedenen Lächeln zurücklehnen, vielleicht auch ein bißchen braun werden im Glanze der eigenen Selbstzufriedenheit, die Heim und Hirn erleuchtet, und weiter in der Komfortzone verharren, praktisch bei Leuten, die den tiefen Teller nicht erfunden haben. Sowas ist ja auch von Vorteil für die Firma, weil dann funktioniert das Geschäftsmodell und alles läuft glatt.

Das galt auch lange für die Katholische Kirche (TM), bis so ein paar Spielverderber anfingen, von Mündigkeit zu sprechen und alles infrage zustellen. Also gab es einiges an PR-Problemen, ein paar Enthauptungen, Kulturkampf usw. So’n Mist. Aber irgendwie hat die Katholische Kirche (TM) es geschafft, den Schaden zu begrenzen und sich die richtigen Freunde gesucht, um weiterhin am Markt zu bleiben. Blöderweise hat dann aber irgend so ein größenwahnsinniger Österreicher alles irgendwie durcheinandergebracht, so auf einmal ganz viele Freunde nicht mehr da waren. Ist allerdings nicht soo schlimm gewesen, weil nach dem großen Chaos alle die Schnauze voll von Experimenten hatten und wieder Sicherheit, Ordnung und Geborgenheit wollten.

Doof nur, daß irgendwann um die 1960er/70er ein paar Leute keinen Bock mehr auf Komfortzone hatten. Die haben dann so komische Sachen wie Freie Liebe und Wilde Ehe eingeführt und kein Interesse mehr an den Produkten der Katholischen Kirche (TM) gehabt – ich mein’ ist ja auch irgendwie verständlich, oder? Da will dir einer der eine Haushälterin hat, aber keine Ehefrau und keinen Sex, erzählen, was Du mit Deiner Mumu bzw. Deinem Schniepel so tun darfst oder nicht, bescheuert, echt! Auf jeden Fall verlor die Katholische Kirche (TM) tierisch an Marktanteilen.

Aktuell ist dann sozusagen der PR-Supergau passiert und der himmlische Frieden ist passé. Aber keine Sorge, wozu hat man PR-Leute; Auftritt Walter Mixa, Bischof von Augsburg und Militärbischof in der BRD. Der Mann weiß immer was zu erzählen und hat auch immer einfache Antworten, die er – was für ein teuflischer Stratege – in schön komplizierte Aussagen verpackt (dann merkt man’s nicht sofort). So auch jetzt: Daran, daß katholische Priester sexuellen Mißbrauch an Kindern und jugendlichen üben, die ihnen als Schutzbefohlene anvertraut sind, sind die bösen 68er schuld, die Schweine. Brillante Strategie, immer die Schuld von sich weisen, alles relativieren und so hübsch vom Unrat unter dem eigenen Mäntelchen ablenken. Immerhin gäbe es ja gar kein Problem, wenn die Aufklärung gar nicht stattgefunden hätte, gell Herr Bischof?! Deus lo vult.

Comment » | Politik & Polemik

Westerwallungen

Februar 12th, 2010 — 8:39pm

Soso, angesichts des BVerfG-Urteils zur Berechnung der ALG-II-Sätze (das berühmt-berüchtigte “Hartz-IV”) sieht der liebe Guido “spätrömische Dekadenz” heraufziehen. Er mag ja Recht haben, der sympathische Gutverdiener, wenn er feststellt, daß es nicht angehen kann, wenn ein vollzeitberufstätiger Erwachsener mit zwei Kindern weniger verdient als jemand in vergleichbarer Situation an ALG II erhält.

Was der Starpolitiker der wirtschaftsliberalen Mehrheitsbeschaffer-Partei dabei jedoch völlig außer Acht läßt, ist das Folgende: Das ALG II orientiert  sich am Existenzminimum. Von weniger kann man also kein menschenwürdiges Dasein fristen. Daß es aber in der BRD Menschen gibt, die sich 40 Stunden pro Woche – mit Verlaub – den Arsch aufreißen und im Schweiße ihres Angesichtes arbeiten, um sich und die ihren zu ernähren, dabei jedoch nicht über diese Schwelle kommen; das ist der eigentliche Skandal. Nicht das ALG II ist zu hoch, vielmehr ist das Netto des Berufstätigen zu niedrig. Und da haben jene vor dem eigenen Türchen zu kehren, die lauthals fordern, alles dem Markt zu unterwerfen und Mindestlöhne verteufeln, ist ja alles Sozialismus!!! Oder war das Soziale Marktwirtschaft? Ist ja auch egal, als DINK muß einen das nicht interessieren, nicht wahr, Herr Vizekanzler?

Ich will auch nicht bestreiten, daß es einen gewissen Prozentsatz an ALG-II-EmpfängerInnen gibt, der sich in der (ACHTUNG BUZZWORD) sozialen Hängematte ausruht und mit großer Findigkeit alles vermeidet, was auch nur von Ferne nach Arbeit aussieht, allerdings ist deren Anteil wohl um einiges geringer, als das tabloid-gestählte gesunde Volksempfinden wahrhaben will. Unter den Kunden der ARGEn finden sich aber durchaus – und ich wage zu behaupten, daß es sich bei den Aufgezählten um die Mehrheit handelt – auch Menschen, die verzweifelt Arbeit suchen neben solchen, die eigentlich nicht mehr arbeitsfähig sind und solchen, deren Umstände (Familie) eine Arbeitsaufnahme garnicht erlauben und schlußendlich auch solche, die schlicht nicht anders können, als vorübergehend HARTZ IV zu beantragen, weil sie z. B. nach Abschluß einer Ausbildung, Schule oder Universität die Zeit bis zum nächsten Abschnitt der Bildungs- und Berufsbiographie überbrücken müssen.

Das aber verlangt die sorgfältige (!) Anwendung des berühmten “Fordern und Fördern” in Gestalt einer dem Einzelfall (bzw. Kunden, wie es bei der ARGE so schön heißt) gerecht werdenden Unterstützung, vielleicht zu ergänzen um ein Spektrum der Intensität bei der Kundenbetreuung, das von bewußtem in-Ruhe-lassen jener, die nur eine Überbrückungsphase als ALG-II-Empfänger durchmachen, aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeitsfähig sind oder aus familiären Gründen nicht arbeiten können über eine wohlwollende, paßgenaue Förderung derer, die aktiv eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung suchen bis hin zur intensiv aktivierenden Betreuung der offenbar Arbeitsunwilligen geht. Letzteren könnte man beispielsweise über eine gewisse Zeit abverlangen, sich an jedem Werktag für ein Betreuungsgespräch um 9 Uhr bei der ARGE einzufinden, so sie gerade nicht in einer Maßnahme sind. Nicht um sie zu schikanieren, sondern um sie zu aktivieren.

Derlei differenzierte Betrachtungen passen allerdings weder auf die Seiten des Meinungsmediums mit der Nackten auf Seite 3 noch sind sie Sache derer, die – die nächste Landtagswahl und die Sonntagsfrage immer schön im Blick –Stimmung zu machen suchen für das schleichende Abschaffen all’ jener Dinge, die eine solidarische Gesellschaft ausmachen. Anstatt sich über die von Karlsruhe verordnete, längst überfällige Änderung der Berechnungsgrundlage für ALG II zu mokieren, die im Übrigen nicht zwangsläufig zur exorbitanten Erhöhung der Auszahlungen führen muß, könnte man ja endlich mal die Neuordnung der Einkommensbesteuerung in Angriff nehmen, die bösen bösen Schlupflöcher schließen und das Bierdeckel-Format für Steuererklärungen einführen. Das allerdings dürfte der Klientel mißfallen, also – lassen wir das. Was kann man anderes erwarten, wenn der Preis für ein Gesetz nach G’schmäckle bei einer Million Euro liegt (“Peanuts!” Hilmar K.).

Herrn Westerwelle sei dringend empfohlen, sein ganz persönliches Projekt 18 zu starten und 18 Monate nur vom Regelsatz zu leben. Sollte er danach immernoch den “anstrengungslosen Wohlstand” anprangern wollen, würde ich ihn sofort wählen, versprochen.

edit: auch bei fixmbr schlägt Guido Wellen

1 comment » | Politik & Polemik

Back to top