Er hat „Jehova“ gesagt!

Wie SPIEGEL online zu entnehmen ist, hat der Kabarettist Michael Lerchenberg seinen Abschied von der Rolle als „Bruder Barnabas“ beim Starkbieranstich am Nockherberg verkündet. Und warum? Weil im Überschwang des gutgemeinten Kampfes gegen die Verharmlosung des Holocaust mal wieder jemand das Konzept Satire nicht verstanden hat und sich darüber empört, daß Lerchenberg Westerwelles Aussagen zu Hartz IV durch – zugegeben bitterböse und drastische – Überhöhung als geistige Brandstifterei entlarvt:

In der umstrittenen Passage seiner Rede hatte Lerchenberg FDP-Chef Westerwelle wegen seiner Hartz-IV-Äußerungen aufs Korn genommen. Der Politiker wolle nun alle Hartz IV-Empfänger bei Wasser und Brot in einem Lager in Ostdeutschland sammeln, sagte der Fastenprediger. „Drumrum ein Stacheldraht, das haben wir schon mal gehabt“, ätzte er. Und über dem Eingang, „bewacht von jungliberalen Ichlingen im Gelbhemd, steht in eisernen Lettern: Leistung muss sich wieder lohnen“. Zitat aus SPon

Sachlich richtig; das hatten wir schonmal. Vermeintlich „Asoziale“ waren seinerzeit ein Fall für’s Lager, die unnützen Esser und Sozialschmarotzer, die. Und wer hat solchen Entwicklungen durch Stigmatisierung von Randgruppen den Weg geebnet? Politiker, die in schönen Reden anderen die Welt erklären. Wenn ich jemanden einen verbalen Molotow-Cocktail mit den Worten „Das muß man ja wohl noch sagen dürfen!“ als Parfümfläschchen tarnen höre, dann kriege ich das Kotzen spüre ich eine leise Ahnung von Bittermandel in der Nase und habe Alpträume von braunen Landen, beleuchtet von gelben Sternen.

Um derlei zu verhindern muß man Biedermänner-Rhetorik als solche kenntlich machen – und sei es durch drastische Vergleiche wie den von Lerchenberg. Tucholsky hätte ihm vermutlich applaudiert. Und das, liebe Frau Knobloch, muß man ja wohl noch sagen dürfen.

Category: Politik & Polemik Comment »


Leave a Reply



Back to top