Tag: Politik


Filtern und Sieben

Juni 18th, 2012 — 1:10pm

Die Tage bei meinem Vater, einem pensionierten Lehrer, gesessen zum Fußballgucken und nebenbei über dies und das geplaudert. Dabei bemerkte er, daß die Hauptschulen bzw. Werkrealschulen und Realschulen nun wohl ausbluten werden. Auf meine Frage, wie er denn zu dieser Annahme komme, wies er mich darauf hin, daß in Baden-Württemberg die Grundschulempfehlung (also die Empfehlung der bis zu Abschlussklasse besuchten Grundschule für die Wahl der weiterführenden Schule) ihren bisherigen verbindlichen Charakter verliert und die Eltern nunmehr selbst entscheiden können, auf welche Schulart sie ihr Kind schicken.

Das hat mich nun ein bisschen nachdenklich gemacht. Wenn nun also die Eltern selbst entscheiden, welche Schule ihre Kinder besuchen, ist das einerseits gut, da so vielleicht auch Kinder auf das Gymnasium kommen, die es nach Grundschulempfehlung nicht geschafft hätte, obwohl sie dafür geeignet sind – ein gewisser Bias darf bei der Einschätzung von Schülern schon vermutet werden, ohne den Berufsstand der Schulpädagogen gleich in seiner Ehre zu verletzen.

Andererseits sehe ich ein paar mögliche Probleme: Erstens könnte es passieren, daß aufgrund der zunächst höheren Übergangsquote auf das Gymnasium bei den nunmehr weniger gut besuchten Werkrealschulen und Realschulen gespart wird, was sich dann aber als problematisch erweist, wenn SchülerInnen vom Gymnasium auf eine andere Schulart wechseln wollen oder müssen. Und das wird zweitens vermutlich in nicht geringem Maße vorkommen, weil ich mir gut vorstellen kann, daß an den Gymnasien während der ersten Schuljahre (Orientierungsstufe) noch genauer hingeschaut werden wird, welche SchülerInnen als geeignet erscheinen und darauf hingewirkt werden wird, daß diejenigen, bei denen das nicht der Fall zu sein scheint die Schulart wechseln. Dabei befürchte ich drittens, daß SchülerInnen mit Lern- und Verhaltensstörungen wie z. B. Legasthenie, Dyslexie, Dyskalkulie, AD/HS durch eine solche Auslesepraxis besonders benachteiligt werden könnten, da die Möglichkeit, sich solcher Problemfälle durch einen Schulartwechsel zu entledigen, ziemlich verführerisch anmutet. Das spart Geld und entlastet die Damen und Herren Gymnasialpädagogen.

Mir stellt sich angesichts der Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung und der Einführung der Werkrealschule sowieso die Frage, warum man nicht gleich konsequent zu Ende denkt und das mehrgliedrige Schulsystem abschafft. Stattdessen könnte es doch nach einer 4-5-jährigen Grundschule eine 5-6-jährige Mittelschule (Sekundarstufe I) für alle geben (nein, keine Gesamtschule, sondern etwas hinreichend binnendifferenziertes mit Unterstützung bei Schwächen und Begabtenförderung, da gab’s doch was im Osten …) und im Anschluß dann die Wahl, ob Oberstufe (die zur allgemeinen Hochschulzugangsberechtigung führt) oder Berufsausbildung oder andere Schulformen wie Berufskollegs und Berufsfachschulen undsoweiter.

Aber das wäre wohl zu revolutionär … *seufz*

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Ursula von der Wer?

Juni 2nd, 2010 — 4:22pm

Ein wenig Entfnordung in der Sache „Ursula von der Leyen wird Bundespräsidentin vs. den gesunden Menschenverstand“ bietet dieser Artikel bei Telepolis. Bei fefe aufgeschnappt.

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Ein ausgekochtes Schlitzohr

Mai 25th, 2010 — 12:41pm

Soso, Roland Koch tritt zurück – und verkündet das am 25.05.10. Da kann man ja echt die Paranoia kriegen, oder das ganze als ein Zeichen sehen.

Hail Eris

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Westerwallungen

Februar 12th, 2010 — 8:39pm

Soso, angesichts des BVerfG-Urteils zur Berechnung der ALG-II-Sätze (das berühmt-berüchtigte „Hartz-IV“) sieht der liebe Guido „spätrömische Dekadenz“ heraufziehen. Er mag ja Recht haben, der sympathische Gutverdiener, wenn er feststellt, daß es nicht angehen kann, wenn ein vollzeitberufstätiger Erwachsener mit zwei Kindern weniger verdient als jemand in vergleichbarer Situation an ALG II erhält.

Was der Starpolitiker der wirtschaftsliberalen Mehrheitsbeschaffer-Partei dabei jedoch völlig außer Acht läßt, ist das Folgende: Das ALG II orientiert  sich am Existenzminimum. Von weniger kann man also kein menschenwürdiges Dasein fristen. Daß es aber in der BRD Menschen gibt, die sich 40 Stunden pro Woche – mit Verlaub – den Arsch aufreißen und im Schweiße ihres Angesichtes arbeiten, um sich und die ihren zu ernähren, dabei jedoch nicht über diese Schwelle kommen; das ist der eigentliche Skandal. Nicht das ALG II ist zu hoch, vielmehr ist das Netto des Berufstätigen zu niedrig. Und da haben jene vor dem eigenen Türchen zu kehren, die lauthals fordern, alles dem Markt zu unterwerfen und Mindestlöhne verteufeln, ist ja alles Sozialismus!!! Oder war das Soziale Marktwirtschaft? Ist ja auch egal, als DINK muß einen das nicht interessieren, nicht wahr, Herr Vizekanzler?

Ich will auch nicht bestreiten, daß es einen gewissen Prozentsatz an ALG-II-EmpfängerInnen gibt, der sich in der (ACHTUNG BUZZWORD) sozialen Hängematte ausruht und mit großer Findigkeit alles vermeidet, was auch nur von Ferne nach Arbeit aussieht, allerdings ist deren Anteil wohl um einiges geringer, als das tabloid-gestählte gesunde Volksempfinden wahrhaben will. Unter den Kunden der ARGEn finden sich aber durchaus – und ich wage zu behaupten, daß es sich bei den Aufgezählten um die Mehrheit handelt – auch Menschen, die verzweifelt Arbeit suchen neben solchen, die eigentlich nicht mehr arbeitsfähig sind und solchen, deren Umstände (Familie) eine Arbeitsaufnahme garnicht erlauben und schlußendlich auch solche, die schlicht nicht anders können, als vorübergehend HARTZ IV zu beantragen, weil sie z. B. nach Abschluß einer Ausbildung, Schule oder Universität die Zeit bis zum nächsten Abschnitt der Bildungs- und Berufsbiographie überbrücken müssen.

Das aber verlangt die sorgfältige (!) Anwendung des berühmten „Fordern und Fördern“ in Gestalt einer dem Einzelfall (bzw. Kunden, wie es bei der ARGE so schön heißt) gerecht werdenden Unterstützung, vielleicht zu ergänzen um ein Spektrum der Intensität bei der Kundenbetreuung, das von bewußtem in-Ruhe-lassen jener, die nur eine Überbrückungsphase als ALG-II-Empfänger durchmachen, aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeitsfähig sind oder aus familiären Gründen nicht arbeiten können über eine wohlwollende, paßgenaue Förderung derer, die aktiv eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung suchen bis hin zur intensiv aktivierenden Betreuung der offenbar Arbeitsunwilligen geht. Letzteren könnte man beispielsweise über eine gewisse Zeit abverlangen, sich an jedem Werktag für ein Betreuungsgespräch um 9 Uhr bei der ARGE einzufinden, so sie gerade nicht in einer Maßnahme sind. Nicht um sie zu schikanieren, sondern um sie zu aktivieren.

Derlei differenzierte Betrachtungen passen allerdings weder auf die Seiten des Meinungsmediums mit der Nackten auf Seite 3 noch sind sie Sache derer, die – die nächste Landtagswahl und die Sonntagsfrage immer schön im Blick –Stimmung zu machen suchen für das schleichende Abschaffen all‘ jener Dinge, die eine solidarische Gesellschaft ausmachen. Anstatt sich über die von Karlsruhe verordnete, längst überfällige Änderung der Berechnungsgrundlage für ALG II zu mokieren, die im Übrigen nicht zwangsläufig zur exorbitanten Erhöhung der Auszahlungen führen muß, könnte man ja endlich mal die Neuordnung der Einkommensbesteuerung in Angriff nehmen, die bösen bösen Schlupflöcher schließen und das Bierdeckel-Format für Steuererklärungen einführen. Das allerdings dürfte der Klientel mißfallen, also – lassen wir das. Was kann man anderes erwarten, wenn der Preis für ein Gesetz nach G’schmäckle bei einer Million Euro liegt („Peanuts!“ Hilmar K.).

Herrn Westerwelle sei dringend empfohlen, sein ganz persönliches Projekt 18 zu starten und 18 Monate nur vom Regelsatz zu leben. Sollte er danach immernoch den „anstrengungslosen Wohlstand“ anprangern wollen, würde ich ihn sofort wählen, versprochen.

edit: auch bei fixmbr schlägt Guido Wellen

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